
Instrumente und Wassergläser statt Pinsel und Farbe: Das große Blasorchester der Turn- und Sportvereinigtung (TSV) demonstrierte am Wochenende, wie ein filigranes, "naturgewaltiges" Gemälde aus Tönen entsteht. Seit Mai haben die rund 60 Musikerinnen und Musiker an der Symphony No. 1 von Steven Reineke gearbeitet, um nun das Monumentalwerk " New Day Rising" aufzuführen. Zwei Mal war die Vereinshalle an der Jahnstraße ausverkauft, zwei Mal war das Publikum aus dem Häuschen. Das Ensemble um Dirigent Philip Bräutigam begeisterte die Zuhörer mit einer außergewöhnlichen Leistung. Der erste der vier Sätze zeichnete das urbane Leben in San Francisco vor dem gewaltigen Erdbeben am 18. April 1906, farbenfrohes Leben, Handel, lachende und trinkende Menschen. Das "Nocturne" greift die typischen Geräusche der Nacht auf, ein Schnarchen und eine schnurrende Katze sind scheinbar zu vernehmen. Dann nahte die bislang größte Katastrophe des Kontinents. Verwüstung, Zerstörung und Chaos erfüllte den Raum mit einem bedrohlichen Akustik-Spektakel, Aktive erzeugen einen gewöhngsbedrüftigen Dauerton, indem sie mit dem Finger über befeuchtete Glasränder fahren. Den letzten Teil des Konzerts stimmten Glaube, Hoffnung und Kraft, die Stadt ersteht wie "Phönix aus der Asche", aber die Gefahr durch den Andreasgraben bleibt bestehen. (OP 19.11.2025)